Die Wahrheit über Weihrauchkapseln

Bevor Sie den Artikel über die aktuelle Studie der Universität Ulm lesen, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Weihrauch natürlich ein wunderbares, natürliches Heilmittel ist und, dass viele Hersteller von Weihrauchkapseln tolle Produkte herstellen, die vielen Menschen helfen. Doch ein Dorn in meinem Auge sind die vielen Firmen, die mit absurden Werten von Boswelliasäuren werben, die überhaupt nicht sein können. Ein Laie weiß dies vielleicht nicht, doch als Weihrauchhändler, der seinen Weihrauch liebt und erforscht, weiß ich, dass aus einem Serrata Weihrauch, egal wie man die Säuren extrahiert, niemals so hohe Werte, wie oft beworben, entstehen können. Dies hatte sich nun in der aktuellen Studie bestätigt. Hier nun der Artikel:

In einer aktuellen Studie hat eine Forschungsgruppe der Universität Ulm 16 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel untersucht, die Weihrauch oder Weihrauchextrakte enthalten. Dabei analysierten sie die einzelnen Produkte hinsichtlich ihrer Gehalte an Boswelliasäuren und ihrer potentiellen Effekte bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Außerdem untersuchten sie die Wirkung der Weihrauchprodukte auf aggressiven Brustkrebs in vitro („im Reagenzglas“) und in vivo („am lebenden Objekt“). Die Studie wurde durch Bildmaterial und Informationen des Weihrauch-Blogs unterstützt.

Beim Vergleich der Boswelliasäure-Gehalte der Nahrungsergänzungsmittel stellte sich heraus, dass diese je nach Produkt zwischen 0,4 % und 35,7 % variierten. Auch wenn einige Hersteller mit Boswelliasäuren-Gehalten von über 80 % werben, konnten diese Werte nicht bestätigt werden. Dies wird dadurch erklärt, dass Hersteller die Boswelliasäure-Gehalte mit einer veralteten Methode aus dem „Apotheker-Handbuch“ bestimmen, welche viel zu hohe Werte hervorbringt.

Die Forscher der Uni Ulm arbeiten hingegen mit modernsten Analysentechniken und konnten die Richtigkeit ihrer Boswelliasäuren-Analysen auch schon in einer früheren Studie belegen (Schmiech et al., Molecules, 2019).

Die Ergebnisse zeigen, dass Produkte, die mit 80 – 90 % Boswelliasäuren beworben werden, in Wirklichkeit ca. 30 – 40 % Boswelliasäuren enthalten.

Das muss aber kein Grund zur Empörung sein, da dies sehr gute Produkte sein können. Es wurden jedoch auch Produkte identifiziert, die im Vergleich dazu nur sehr geringe Mengen an Boswelliasäuren enthielten. In einer Probe konnten nur 0,4 % Boswelliasäuren nachgewiesen werden. Das entspricht einen Gehalt von 3,5 mg Boswelliasäuren pro Kapsel. Zum Vergleich: andere Produkte enthielten bis zu 157 mg Boswelliasäuren pro Kapsel. Zudem wirbt der Hersteller mit einem Gehalt von 52 mg pro Kapsel an AKBA (Acetyl-11-keto-beta-boswelliasäure), die als besonders aktive Boswelliasäure gilt.

Die Analysen zeigten jedoch gerade mal einen AKBA-Gehalt von 0,9 mg pro Kapsel.

Alle untersuchten Produkte wurden aus Boswellia serrata, Boswellia sacra oder Boswellia carterii hergestellt. Ungewöhnlich geringe Anteile an Boswelliasäuren können somit nicht auf die Verwendung von Weihrauchsorten mit natürlich geringen Konzentrationen an Boswelliasäuren (z. B. Boswellia frereana) zurückgeführt werden. Vielmehr kann man von der Beimengung von kostengünstigen Füllmitteln ausgehen.

Sowohl in der traditionellen Volksmedizin als auch in der modernen alternativen Medizin werden Weihrauchprodukte zur Behandlung von chronischen Entzündungen wie z. B chronischer Darmentzündung verwendet (Ammon et al., Adv. Exp. Med. Biol., 2016; Gupta et al., Eur. J. Med. Res., 1997). In der Studie wurde die Wirkung der einzelnen Weihrauchprodukte auf Entzündungsprozesse verglichen indem gesunden Probanden Blut abgenommen wurde. Anschließend wurde in dem frisch abgenommen Blut eine akute Entzündung ausgelöst und mit den unterschiedlichen Weihrauchprodukten behandelt. Anschließend wurden spezielle Botenstoffe untersucht, die für Entzündungen verantwortlich sind (sog. Zytokine).

Es zeigte sich dabei, dass Weihrauchprodukte mit einem hohen Gehalt an Boswelliasäuren die Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen erheblich senken können. Produkte mit geringen Gehalten an Boswelliasäuren hatten keinen Effekt auf die Entzündungswerte und Produkte mit sehr geringen Anteilen an Boswelliasäuren verstärkten die Entzündung sogar weiter. Dadurch wird deutlich wie wichtig die Verwendung hochwertigem Weihrauch und Weihrauchprodukten ist.

Zuletzt untersuchten die Forscher den Effekt der Weihrauchprodukte auf dreifach negativen Brustkrebs. Diese Form des Brustkrebses ist besonders tragisch, weil häufig junge Frauen daran erkranken, zudem ist sie sehr aggressiv und nur schwer zu behandeln. Die Behandlung der Burstkrebszellen in vitro („im Reagenzglas“) mit den unterschiedlichen Weihrauchprodukten zeigte, dass vor allem Produkte mit einem hohen Gehalt an Boswelliasäuren einen sehr starken Effekt auf die Zellen hatten.

Interessanterweise war der Effekt auf nicht-kanzerogenen Zellen, also normale menschliche Zellen deutlich geringer.

Dies könnte ein Hinweis auf die gezielte Wirksamkeit von Weihrauch und den Boswelliasäuren gegen Krebs sein.

Da sich Krebszellen im lebenden Objekt (in vivo) ganz anders verhalten als im Reagenzglas, mussten die Forscher die Untersuchung in einem Tierversuch an befruchteten Hühnereiern fortsetzen. Um die Anzahl der benötigten Eier möglichst gering zu halten, wurde nur das wirksamste Weihrauchprodukt untersucht. Hierbei bestätigte sich ihre Beobachtung und der Brustkrebs-Tumor konnte nach nur dreitätiger Behandlung erheblich verkleinert werden!

Es konnte nicht nur eine Hemmung der Vermehrung von Krebszellen, sondern auch ein Absterben der Krebszellen beobachtet werden. Zudem konnte keine toxische Wirkung auf die Tiere durch die Behandlung mit dem Weihrauchprodukt festgestellt werden. Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass dies erst ein erster Schritt zur Behandlung von Brustkrebs mit Weihrauch ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Weihrauchprodukte von sehr unterschiedlicher Qualität auf dem Markt erhältlich sind. Durchweg sehr gute Ergebnisse in allen Tests zeigten die Produkte „Weihrauchkapseln“ der Delphin Apotheke Langenau, „Indische Weihrauchkapseln“ der Schloss Apotheke Koblenz und „85 Premium Boswellia serrata“ von Biotikon. Das bekannte Produkt „Sallaki“ von Gufic Biosciences Ltd. konnte sich nur im Mittelfeld platzieren. Die Schlusslichter bildeten die Produkte „Boswellia carterii Extrakt Kapseln“ von The Nutri Store und „Weihrauch Extrakt 400 mg“ von Vitabay.

Die komplette Studie von Schmiech et al., die im Journal „Nutrients“ veröffentlicht wurde ist kostenlos unter folgendem Link verfügbar: https://www.mdpi.com/2072-6643/11/10/2341

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Untersuchte Weihrauchprodukte. (Schmiech et al., Nutrients, 2019, © 2019 by the authors, CC-BY 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)


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Gehalte an Boswelliasäuren in Weihrauchprodukten. (Schmiech et al., Nutrients, 2019, © 2019 by the authors, CC-BY 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)


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Analytik von Boswelliasäuren in Weihrauchprodukten. (Schmiech et al., Nutrients, 2019, © 2019 by the authors, CC-BY 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)


Abbildung-_Effekte-auf-Zytokine_

Effekte von Weihrauchprodukten auf Entzündungs-Botenstoffe. (Schmiech et al., Nutrients, 2019, © 2019 by the authors, CC-BY 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)


Abbildung-_Wirkung-auf-Brustkrebszellen_

Wirkung von Weihrauchprodukten auf Brustkrebszellen. (Schmiech et al., Nutrients, 2019, © 2019 by the authors, CC-BY 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)