Das Weihrauchgeschäft in Somalia

Auch wenn in anderen Gegenden Somalias ebenfalls Weihrauchbäume wachsen, so sind finden wir die meiste Verbreitung und auch Ernte in zwei besonderen Regionen:

 

In der Sanaag Region in Somaliland und in der Bari Region in Puntland.

Die Weihrauchbäume bzw. das Land auf dem die Bäume wachsen, werden über Generationen in den verschiedenen Tribes/Clans weitergegeben. In Somalia und auch in anderen afrikanischen Ländern herrscht größtenteils noch ein Clansystem (Wikipedia).

Die Tribes organisieren und managen die Ernte in den Weihrauch-Regionen Somalias. Die meist verbreiteten Arten des Weihrauchbaums sind der Boswellia Frereana und der Boswellia Carterii. Die Erntesaison des Boswellia Carterii geht von August bis Januar, der Boswellia Frereana wird hauptsächlich von Mai bis Februar geerntet (ähnlich wie bei der Myrrhe).

Mit dem Manqif (in anderen Ländern auch Mangaf, Menqaf oder Mingaf genannt), einem Schabemesser, wird die Rinde des Baumes entfernt, so dass die feinen Kapillaren des Weihrauchbaums freilegen (Video) . Das Harz tritt heraus und trocknet, je nach Monat und Temperatur, innerhalb der ersten 3 Wochen aus und verhärtet sich.  Dieser Vorgang wiederholt sich während der Erntezeit und das Harz wird von den Erntern gesammelt und getrocknet, meistens in höher gelegenen Regionen, in Höhlen und Felsvorsprüngen. Dort lagert und trocknet der Weihrauch noch ungefähr 6 Wochen aus.

So einfach das auch klingen mag: „Ernten und Trocknen“; die Weihrauchernte ist eine wirklich harte Arbeit. Die Männer (in Somalia ernten noch ausschließlich Männer, in anderen Ländern ernten auch Frauen) sind während der Ernte bis zu sechs Monate von ihrer Familie getrennt. Das Wetter ist sehr hart, denn es ist sehr trocken und heiß. Die Weihrauchbäume wachsen oft in felsigen , gefährlichen Gegenden oder in Wüstenlandschaften, in denen es kaum Schatten gibt. Die Ernter werden normalerweise vorfinanziert, da die Familien sonst über die vielen Monate nicht überleben könnten. Leider gibt es keine regelte Bezahlung und kein Clan spricht gerne über die Bezahlung. Manchmal erhalten die Ernter, vor allem, wenn der Weihrauch billig und in großen Mengen geerntet werden muss, nicht einmal Geld als Entlohnung, sondern Essen und Bekleidung. Deswegen ist eine nachhaltige und faire Ernte ein Muss!

Wenn die Ernter Geld für ihre Arbeit erhalten, wird das vorfinanzierte Gehalt nach der Ernte mit dem geernteten Harz verrechnet.

Nach dem das Weihrauchharz getrocknet ist, wird der Weihrauch in die Städte gebracht, wo er sortiert wird, in sogenannten Sortierbetrieben. Dort wird der Weihrauch von Frauen per Hand geschält, gesäubert und in verschiedene Qualitätsstufen/Grade sortiert.

In Somaliland wird der Weihrauch vor allem in Burao sortiert und dann in LKWs nach Berbera gebracht, der Hafenstadt im Norden Somaliands. In Puntland wird der Weihrauch bereits in einer Hafenstadt sortiert: Boosaaso. Von Boosaaso aus wird der Weihrauch in Containern über Seefracht verschifft, allerdings wird ein Großteil des Weihrauchs noch in Fischerbooten nach Oman, Dubai oder nach Yemen gebracht, zu Mittelmännern, die in ihren Ländern bessere Transportmöglichkeiten haben.

Der Weihrauch hat also eine lange Reise, bevor er bei dem Kunden ankommt und auf dem Weg dorthin verteuert sich der Preis.  Bevor der Weihrauch überhaupt das Land verlässt, hatten oft schon zwei Mittelmänner ihre Hände im Geschäft, die Ernter selbst sind das schwächste Glied in dieser Kette. Es gibt etliche, wirklich unzählige Firmen in Somalia, die am Weihrauchgeschäft mitverdienen wollen. Schätzungsweise sind 200.000 Menschen in Somalia direkt oder indirekt im Weihrauchgeschäft involviert. Neben dem Export von Ziegen und Kamelen ist Weihrauch das Exportgut Somalias.